Ulrike Elbers

systemische Therapeutin & Supervision - Wuppertal

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Geliebter bleibt für immer

Svenjas Leben hat sich vor vier Wochen völlig verändert. Von einem Tag auf den anderen war ihr Geliebter bei ihr eingezogen. Seine Frau und er hatten sich getrennt. Zwei Jahre war Svenja die Geliebte und hatte sich mühsam in diese Rolle eingefunden. Philip war verheiratet, hatte Kinder und wollte für sie in der Familie bleiben. Immer wieder signalisierte er, dass er in der Ehe unzufrieden war. Deshalb hatte Svenja nie das Gefühl, in eine glückliche Ehe eingedrungen zu sein. Sie lebte mit Philip die klassische Affäre – gemeinsame Stunden voller Leidenschaft, Sex, Heimlichkeiten. Aber eben auch ohne Verantwortlichkeiten und Pflichten. Sie wurde hofiert, verwöhnt – es gab keine Routine oder Langeweile. Und das war genau der Unterschied zur neuen Situation.

Svenja war jetzt mit Philip im Alltag angekommen. Verbrachte die Nächte mit ihm statt nur wenige Stunden. Sie frühstückte mit ihm, statt sich nach solchen Alltäglichkeiten zu sehen. Ohne Übergang hatte nach der Trennung der Neuanfang mit Svenja begonnen.

Und genau deshalb kann es zu Irritationen oder sogar Enttäuschungen kommen. Zum einen sorgt ein nahtloser Partnerwechsel dafür, dass Beziehungsprobleme und Trennungsgründe nicht aufgearbeitet werden. Sie werden als Ballast mit in die neue Beziehung genommen. Zum anderen geht es in einer Affäre auch immer um Projektion – Wunschvorstellungen davon, wie der neue Partner ist, wie das Leben miteinander sein soll.

Svenja stellte verwundert das Gefühl der Ernüchterung bei sich fest, obwohl sie immer Alltag statt Ausnahme herbeigesehnt hatte. Manchmal war sie sogar zu zweit einsamer als alleine. Ihre Gefühle waren ein Chaos und das Miteinander oftmals auch. Für einen ruhigen, zufriedenstellenden Beziehungsalltag wird sie mit Philip noch einiges besprechen müssen. Und dabei sollten auch irgendwann die Themen Treue, Lügen und Seitensprünge vorkommen.


Von Ulrike Elbers, Familientherapeutin – Wuppertal

Westdeutsche Zeitung, WZ, Kolumne: Beziehungen
Samstag, 2. August 2014


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