Ulrike Elbers

systemische Therapeutin & Supervision - Wuppertal

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Streit

Manche Auseinandersetzungen werden bei Partnern unvermittelt sehr heftig. War die Ausgangssituation vielleicht noch überschaubar – wir sagen oft, „es war doch nur eine Kleinigkeit“. Wird es im Streitverlauf dann manchmal heftiger und viel ernster. Die Streitspirale dreht sich. Plötzlich ist die Ausgangssituation völlig aus den Augen geraten. Es kommen Kritik, Vorwürfe, Widerstände, Abblocken, Abwehr, Verachtung oder auch Nachkarten und Vorhaltungen aus längst zurückliegenden Zeiten.

Wenn Paare sich streiten, liegen oft massive Gefühle in der Luft. Es wird geschrien, beleidigt, Gegenattacken, Gegenangriffe werden gefahren. Auch die Körpersprache, wie zum Beispiel Augenverdrehen, abfällige Mimik oder Gestik, Abwenden oder Weggehen zeigen, dass Aggressionen gegen den Partner vorhanden sind. Irgendwann beginnt ein Kampf miteinander oder gegeneinander. Wer bestimmt? Wer kontrolliert? Wer ist der Bessere? Wer darf schwach oder stark sein? – dies sind die Fragen, die hinter unendlich vielen Streitigkeiten und Auseinandersetzungen stehen.

Verständlich wird das, wenn wir bedenken, dass hinter aktuellen Gefühlen auch oftmals die Verletzungen und Kränkungen aus der Kinderzeit angerührt werden. Denn ein Partner kann diese alten Erinnerungen, lange zurückliegenden Gefühle aktivieren, die uns einst die Eltern oder Bezugspersonen zugefügt haben. Hinter Aggressionen im Streit mit dem Partner können alte Gefühle der Verzweiflung oder Hilflosigkeit stecken. Hinter Wortkargheit oder Weggehen vielleicht Ohnmacht und Sprachlosigkeit.

Dies zu berücksichtigen und sich selbst einzugestehen, ist ein großer Schritt innerhalb der Selbstreflexion. Eine angemessene Streitkultur kann dann gemeinsam mit dem Partner entwickelt werden. Denn nicht das Verhindern, Umgehen, Leugnen von Konflikten und Meinungsverschiedenheiten bringt die Partner weiter. Streit gehört zum natürlichen Verlauf in einer Partnerschaft und bedeutet keineswegs das Ende der Liebe oder der Beziehung.


Von Ulrike Elbers, Familientherapeutin – Wuppertal

Februar 2016


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