Ulrike Elbers

systemische Therapeutin & Supervision - Wuppertal

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Kindern zuhören

Kinder sagen uns oft klar und unumwunden, was sie beschäftigt oder belastet. Wir sollten ihnen stets gut zuhören statt ihre Äußerungen zu ignorieren oder darüber hinwegzugehen. „Ich finde keine Freunde in der neuen Schule“, ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass das Kind sich in der Schule alleine fühlt. „Papa, du musst immer bei mir bleiben, du darfst nie weggehen“, macht Gefühle der Unsicherheit des Kindes in der Familie deutlich. Kinder nennen ihre Gefühle und beschreiben auch, was diese Gefühle verursacht hat. Sie wollen ihr Problem dann loswerden, auch wenn der Zeitpunkt dazu manchmal ungünstig erscheint.

Kinder wünschen sich, dass wir ihnen gut zuhören, dass wir „ganz Ohr“ für sie sind. Denn gutes Zuhören bedeutet auch, dass die Aufmerksamkeit des Erwachsenen ganz beim Kind ist. Es bedeutet, dem Kind Wertschätzung zu zeigen. Für das Kind bedeutet es, sich Ernst genommen zu fühlen, Interesse zu spüren und wichtig zu sein.

Erwachsene haben oftmals sehr schnell Lösungen bei der Hand. Gerade in unserer schnelllebigen, hektischen Zeit wollen Erwachsene manchmal zügig helfen. Sie reden dann selbst statt dem Kind zuzuhören. Erwachsene geben gute Ratschläge, die aber immer die Ratschläge für sie selbst wären. Vielleicht ist es für das Kind gar nicht gut. Erwachsene wollen, dass das Kind eine Lösung bekommt und die unangenehmen Gefühle los wird. Aber auch das kann für das Kind eine unangenehme Erfahrung sein. Es bekommt einen Lösungsvorschlag genannt, den es gar nicht will oder der eventuell schon vom Kind als unbrauchbar erlebt worden war.

Aufmerksames Zuhören bedeutet, dass die Erwachsenen sich bewusst Zeit nehmen und ihre anderen Tätigkeiten für ein Gespräch mit dem Kind beenden. Auch bei knapper Zeit
sollten Eltern spüren können, wann ihr Kind ihnen etwas Wichtiges sagen will. Durch die Körperhaltung, das Anschauen, eventuell durch gemeinsames Hinsetzen signalisieren die Erwachsenen ihr gutes Zuhören. Oftmals reicht in dieser Situation schon ein, „erzähl `mal“. Dann sollte bewusst auf das gehörte werden, was das Kind berichtet. Welche Situationen, welche Gedanken und Gefühle spricht es an, worum geht es dem Kind gerade?

Durch dieses gute Zuhören sind die Erwachsenen außerdem Vorbilder, Modelle für ihre Kinder. Denn neben der Bewältigung der vom Kind aktuell angesprochenen Situation, lernen Kinder außerdem, wie genau gutes Zuhören geht. Sie können es dann selbst umsetzen und haben damit eine der wichtigen sozialen Fähigkeiten entwickelt.


Von Ulrike Elbers, Familientherapeutin/Supervisorin – Wuppertal
Oktober 2020


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