Ulrike Elbers

systemische Therapeutin & Supervision - Wuppertal

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Erwachsene und das Zuhören

„Erwachsenen reden viel und hören wenig“ – Aaron bringt es kurz und präzise auf den Punkt. Sein Vater ist verdutzt und sieht ihn nur an. Seit Minuten hat er Aaron erklärt und erklärt, was er von seinem Verhalten hält. Er hatte sich sehr bemüht, ihm etwas verständlich zu machen. Hatte versucht, sich die Zeit zu nehmen und in Geduld zu üben. Und dann das. So ging es ständig. Der Vater redete und erklärte. Dennoch passierte bei Aaron nicht das, was der Vater erwartet hatte. Obwohl er so viel Energie für das Erklären verwendete.

Aber Aaron sagte es jetzt deutlich. Er selbst hat auch etwas zu sagen. Ihm ist es wichtig, dass der Vater auch ihm zuhört. Er macht sich Gedanken und möchte diese auch äußern. Wenn es um sein Verhalten oder seine Angelegenheiten geht, möchte Aaron seine Meinung sagen dürfen.

Es gibt vieles, was Kinder und Jugendliche betrifft. Manchmal sind es schwerwiegende Entscheidungen, manchmal die vielen Alltagsangelegenheiten. Kinder und Jugendliche sind meistens gedanklich und gefühlsmäßig sehr dabei. Sie bekommen vieles mit und bilden sich ihre Meinung. Sie sind oftmals sehr ehrlich in ihrer Einschätzung und Haltung, auch wenn sie dabei gar nicht so „toll“ abschneiden. Kinder und Jugendliche sehen Situationen in der Familie manchmal klarer als Erwachsene. Sie haben ein gutes Gespür dafür, was für sie gerecht oder ungerecht, willkürlich oder angemessen, zu viel oder gut ist. Deshalb ist das Zuhören der Erwachsenen wichtig. Außerdem brauchen Kinder die Erwachsenen als Zuhör-Modell, wenn sie selbst gute Zuhörer werden sollen. Zuhören gilt als Basiskompetenz eines Menschen.

Das bedeutet nicht, dass sich Erwachsene auch nach der Meinung der Kinder richten. Sie sollten jedoch Raum und Gelegenheit haben, sich zu äußern und einzubringen.


Von Ulrike Elbers, Familientherapeutin – Wuppertal

Westdeutsche Zeitung, WZ, Kolumne:
Beziehungen
Samstag, 6. Februar 2010


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