Ulrike Elbers

systemische Therapeutin & Supervision - Wuppertal

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Freunde bleiben

Meike ist noch immer wütend, traurig und verletzt. Vor zwei Wochen hat Hendrik sie verlassen und ist zu seiner neuen Freundin gezogen. Monate voller Streit und Auseinandersetzungen liegen hinter ihnen – und elf Jahre Partnerschaft. Meike dachte, ihre Beziehung wäre gut. Hendrik aber war unzufrieden. Er hatte lange versucht, etwas in der Partnerschaft zu verändern. Schließlich ist er gegangen. „Lass uns Freunde bleiben“, war sein Wunsch beim Auszug.

Freunde bleiben, das will Meike nicht. Sie merkt deutlich, dass sie diesen Wunsch nicht erfüllen kann. Sie wollte keine Trennung und ist dennoch verlassen worden. Sie steckt jetzt noch mitten im Trennungsschock. Hendrik hatte für sich einen zeitlichen Vorsprung. Er hatte sich schon länger damit beschäftigt, hatte begonnen, sich von Meike abzulösen und die Trennung initiiert. Vielleicht ist für ihn schon Freundschaft möglich. Für Meike aber noch nicht. Vielleicht wird sie nie mehr mit Hendrik befreundet sein wollen. Für Meike ist es sehr wichtig, dass sie ehrlich mit sich und Hendrik umgeht. Sie zieht sich von ihm zurück. Für die Trennungskrise braucht sie Zeit, um sie bewältigen zu können.

Sie wird die Beziehung innerlich verarbeiten und akzeptieren, dass sie beendet ist. Aber ein Freund kann Hendrik nicht sein. Freundschaft funktioniert nur unter Gleichberechtigten. Meike aber fühlt sich gedemütigt, gekränkt und zurückgewiesen. Ein Ex-Partner kann nach dem Verlassen kein Freund und Unterstützter bei der Trennungsverarbeitung sein. Vielleich wird Hendrik irgendwann wieder ein guter Freund werden – vielleicht.


Von Ulrike Elbers, Familientherapeutin – Wuppertal

Westdeutsche Zeitung, WZ, Kolumne: Beziehungen
Samstag, 26. Mai 2007


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