Kindern und Jugendlichen Mut machen

„Ich schaff´ es nicht mehr stundenlang nur vor dem Bildschirm zu sitzen und zu lernen.“ „Ich vermisse meine Freunde.“ „Ich verstehe es am Computer nicht, wenn ich die Lehrerin nicht fragen kann.“ „Wie soll es nach dem Abi weitergehen?“ Kinder und Jugendliche leiden zunehmend unter der Corona-Lage, leiden unter den Anforderungen, Einschränkungen, Unsicherheiten, Unklarheiten und der Perspektivlosigkeit der vergangenen vielen Monate. Sie reagieren besorgt, verunsichert, verängstigt, mutlos und resigniert. Sie vermissen den uneingeschränkten Kontakt zu Freunden und Gleichaltrigen, die Sport- und Freizeitaktivitäten und den geregelten Schulalltag.

Bei vielen Kindern und Jugendlichen sind inzwischen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit zu bemerken, mehr oder weniger massiv. Bei vielen sind Verhaltensänderungen zu bemerken – aus offenen, interessierten Kindern sind stille, zurückgezogene Kinder geworden. Sie reden weniger, haben ihre Interessen verloren, ziehen sich oft zurück. Sie sind besorgt, dass ihre Freundschaften verloren gehen. Schon Jugendliche entwickeln Zukunftsängste bei den vielen ungeklärten Fragen.

Kindern und Jugendlichen, gleichermaßen den Eltern, wurde in den vergangenen Monaten extrem viel abverlangt. Und aktuell wird es das noch immer auf unbestimmte Zeit. Umso wichtiger ist es jetzt, dass Kindern und Jugendlichen Mut gemacht wird. Sie brauchen die Unterstützung der Eltern und Erwachsenen, auch wenn diese sich selbst vielleicht überfordert fühlen.

Sie brauchen ein offenes Ohr für Gespräche. Eindeutige Signale, eine ruhige Umgebung und klare Angebote, dass sie mit den Erwachsenen über alle Themen sprechen können. Wenn sie dann reden, sollte ihnen gut zugehört werden. Das bringt Entlastung und Ermutigung. Kinder und Jugendliche brauchen Zuspruch und Beachtung, um sich verstanden und geliebt zu fühlen. Lob und Verstärkung für das, was sie in den letzten Monaten leisten mussten und noch immer leisten. Sie brauchen Zeit, um in der Familie Positives und Aufbauendes zu erleben, zum Beispiel beim gemeinsamen Kochen und Essen, beim gemeinsamen Filme-Ansehen, bei Spiele-Abenden oder bei gemeinsamen Aktivitäten, die auch in Corona-Zeiten draußen möglich sind.

„Wir schaffen das gemeinsam“ – das sollte Kindern und Jugendlichen immer wieder deutlich gesagt und auch vermittelt werden.


Von Ulrike Elbers, Familientherapeutin/Supervisorin – Wuppertal
Veröffentlicht am Montag 3. Mai 2021